Die längste Folge bisher, und die mit den meisten Themen: Seitenfenster, Dachluken, Dachlüfter, DIY-Dachträger aus Aluprofilen, Heckträger, Unterflur-Wassertank, Standheizung und alle anderen Löcher, die man in die Karosserie schneidet. Dennis hat das alles mehrfach gemacht, ich habe in dieser Folge eher moderiert und nachgefragt. Hier die praktischen Erkenntnisse.
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Ausbau-Fail der Woche
Ein Hörer hat sich für einen Ford Transit entschieden und erst danach festgestellt, dass Einzelsitze mit Gutachten dafür kaum zu bekommen sind: 1.200 Euro extra. Als die Sitze ankamen, passten die Gurtschrauben nicht, weil Ford offenbar für jedes Modell andere verwendet. Der Händler bestellte zweimal dieselbe Schraube und bot dann an, den Gurt für 600 Euro zu tauschen, oder eben die Flex. Manche Kosten kann man nicht vorher planen.
Seitenfenster: ab Werk oder Campingfenster
Scheiben ab Werk in Schiebetür und Hecktüren sind günstig, beim Neufahrzeug etwa 130 bis 150 Euro pro Fenster, und bringen maximalen Lichteinfall. Nachteile: einfach verglast, extrem kondenswasseranfällig und Wärmebrücken. Magnetische Thermomatten helfen bei der Dämmung, darunter bleibt es aber feucht, und nasse Matten muss man erst wieder trocknen.
Campingfenster sind doppelt verglast mit dämmender Luftschicht, meist aus Acryl, und bringen Fliegengitter und Verdunkelungsplissee im Innenrahmen gleich mit. Ausstellfenster ab etwa 120 Euro, Schiebefenster ab etwa 150 Euro, die gängigen großen Modelle liegen bei 700 bis 800 Euro. Ausstellfenster lassen sich bei Regen schräg stellen und haben die größere freie Öffnung. Schiebefenster haben Mittelstrebe und Schiene, also weniger Durchsicht, und die kleinen Sondermaße sind teuer: Dennis hat für zwei schmale Schiebefenster im Ducato L1 rund 350 Euro pro Stück bezahlt. Acryl ist kratzempfindlich, bei Büschen an engen Zufahrten oder beim Waschen. Es gibt auch Fenster mit Echtglas außen und Acryl innen. Und noch einmal, weil es in jeder Folge vorkommt: kein Ausstellfenster direkt hinter der Schiebetür.

Montage
- An Karosseriekanten ausrichten, nicht mit der Wasserwaage
- Bereich außen großflächig abkleben, damit die Stichsäge das Blech nicht verkratzt
- Das angegebene Maß ist das Ausschnittmaß. 2 bis 3 Millimeter Spiel lassen, Eckradien beachten, die Karton-Schablone nur zum Prüfen nutzen
- Schnittkanten gegen Rost schützen
- Campingfenster werden mit einem Holzrahmen von innen verspannt und außen nur mit dauerelastischer Dichtmasse gesetzt, dadurch jederzeit austauschbar. 2 bis 3 Millimeter Dichtmasse zwischen Fenster und Blech lassen, nicht alles herausquetschen
- Werksscheiben werden mit speziellem Scheibenkleber und Primer verklebt und nur mit Schneidedraht wieder entfernt
Mein eigener Fehler: Ich habe die Dichtmasse außen als schöne Fuge stehen lassen. Die setzt sich mit Pollen und Dreck zu und dichtet frei liegend gar nicht, weil dauerelastische Dichtmasse nur eingespannt zwischen zwei Flächen funktioniert. Wer außen nacharbeiten muss, nimmt einen UV-beständigen Kleber wie Sikaflex 554. Eine leichte Blechverwölbung beim Verspannen ist normal und hat keine technischen Nachteile.
Dachluken und Lüfter

Standardmaße sind 28 mal 28, 40 mal 40, 50 mal 70 und 65 mal 96 Zentimeter. Ab 50 mal 70 kann man durchklettern, was mit einer Dachterrasse spannend wird. Ab 65 Zentimetern wird es schwierig, das zwischen den Deckenholmen unterzubringen, selbst 50 mal 70 passt nicht immer. Viele Fahrzeuge haben vorne mittig eine vorgesehene Stelle, an der die Sicken unterbrochen sind. Dort ist der Einbau einfach, dafür ist man an Position und Größe gebunden.
Für die Belüftung empfiehlt Dennis die Kombination aus einer öffnenden Dachluke und einem elektrischen Dachlüfter, etwa über Dusche oder Küche. Ein Pilzlüfter mit 10 bis 15 Zentimetern Durchmesser funktioniert auch bei Regen, der Maxxfan ebenfalls. Sein Einbau ist speziell: ein Flansch wird aufs Dach geklebt, der Lüfter darauf mit nur vier kleinen Schrauben befestigt.
Sicken ausgleichen
Adapterrahmen für das jeweilige Fahrzeug sind die sichere Lösung. Dennis' Alternative: eine 3 bis 4 Millimeter starke Alu-Verbundplatte, rundum 3 Zentimeter größer als der Ausschnitt, innen ausgeschnitten, sodass ein Rahmen bleibt. Der wird mit Kleber aufs Dach gesetzt, die Sicken darunter mit Sikaflex 554 aufgefüllt, idealerweise in mehreren 3 bis 4 Millimeter dicken Schichten, weil dicke Kleberwürste innen nicht durchtrocknen. Oben entsteht eine ebene Fläche, auf die die Luke mit Dichtmasse kommt. Dichtmasse in den Sicken wird undicht, das hat er selbst erlebt. Der Holzrahmen innen wird quadratisch ohne Anpassung an die Sicken gebaut und von unten angeklebt, damit Blech und Holz getrennt bleiben.
DIY-Dachträger aus Aluprofilen
Fertige Dachträger sind teuer. Dennis baut seine aus Alu-Nutprofilen, silber oder schwarz eloxiert, mit Nut auf allen vier Seiten für Winkel, Halter, Sonnensegel oder Solarmodule. Zuschneiden geht mit der Kappsäge und normalem Holzsägeblatt sauber im 90-Grad-Winkel, Abdeckkappen schließen die Schnittkanten. Zum Zubehör ein klarer Rat: Nutensteine statt Hammermuttern. Hammermuttern können sich bei gelöster Schraube wieder entverkanten, und dann fliegt der Träger vom Dach.
Die Befestigung hängt vom Fahrzeug ab. Stellantis-Modelle haben Pilzköpfe auf dem Dach, dafür gibt es passende L-förmige Halter, ganz ohne Abdichten. Andere Fahrzeuge haben Gewinde im Dach, oft nur mit überlackierten Aufklebern verschlossen. Dort mit Loctite gegen Vibration sichern, Edelstahlschrauben verwenden und die Löcher abdichten. Dennis' Universallösung beim Master: Airline-Schienen mit Konstruktionskleber aufs Dach kleben, optional zusätzlich verschrauben, darauf Vierkant-Aluprofile als Abstandshalter für die Dachwölbung und darauf die Solarmodule. Wo Alu und Edelstahl sich berühren, gegen Kontaktkorrosion eine Trennpaste verwenden.
Beim TÜV zählt so ein Träger meist als Ladung, wie wir in Folge 2 besprochen haben. Ihr haftet aber selbst, wenn etwas herunterfliegt. Also alle Schrauben vor und nach jeder längeren Fahrt kontrollieren. Aufs Dach kommt man über eine Leiter am Heck, seitliche Klettergriffe oder einen Durchstieg durch die 50 mal 70 Dachluke, mit dem Bett als Stufe. Und bedenkt die Aerodynamik: Eine Dachterrasse wirkt wie eine Tragfläche, beim Diesel etwa ein halber Liter Mehrverbrauch, beim Elektro spürbar mehr.

Heckträger
Die einfachste Lösung ist ein Fahrradträger auf der Anhängerkupplung, auch mit Heckbox für Ski-Equipment nutzbar und beim Verleihen oder Fahrzeugwechsel flexibel. Achtet darauf, wie weit er abklappt, damit die Hecktüren noch aufgehen. Bei Dennis' Modell geht nur ein Spalt. Fest montierte modulare Systeme kosten mehrere tausend Euro. Sein System am E-Sprinter war mit den Türscharnieren verschraubt, dafür musste er die 270-Grad-Scharniere gegen 180-Grad-Scharniere tauschen, brauchte eine Trittstufe mit Kennzeichen und Leuchten, konnte den Träger aber mit 80 Kilo belasten und als Leiter nutzen. Der Kompromiss: Airline-Schienen an der Hecktür mit passenden Fahrradhaltern. Kennzeichen und Rückleuchten nicht verdecken, dafür gibt es Vorschriften zu den Abstrahlwinkeln. Und ein 5.000-Euro-Rad außen am freistehenden Van ist eine Einladung.
Unterflur-Wassertank
Typisch für den Abwassertank wegen des Gefälles, theoretisch auch für Frischwasser, um innen Platz zu sparen. Für den Ducato gibt es passende Tanks mit Aufnahmen für die Längsträger. Dennis bohrt unter dem Auto keine neuen Löcher in die tragende Struktur, sondern nutzt vorhandene Löcher und Gewinde. Ein Tankbefestigungsset mit kunststoffummantelten Metalllochbändern und Spannvorrichtung zieht den Tank richtig fest, denn 80 Liter schwingendes Wasser entwickeln Kraft. Im Winter friert ein Unterflurtank schneller ein. Isolierung mit Armaflex und Heizmatte mit Temperatursensor sind möglich, aber komplex. Wer kein Wintercamping macht, lässt den Tank im Winter einfach ab. Beim E-Fahrzeug ist der Platz unter dem Boden durch die Batterie begrenzt.

Standheizung und weitere Bodendurchbrüche

Die Standheizung gehört für Dennis in jeden Diesel-Van. Selbst im Sommer gibt es Nächte mit 8 Grad, und eine halbe Stunde Heizen am Morgen ist Gold wert. Der Einbau ist keine schöne Arbeit: unter dem Auto liegend Schellen festziehen. Sein Trick beim zweiten Mal: Ab- und Frischluftschlauch erst auf Länge kürzen, dann im Fahrzeug am angehobenen Flansch befestigen, dann erst durchs Loch führen. Das Loch ins Bodenblech schneiden, bevor Dämmung und Bodenplatte kommen, die Position muss nicht auf 5 Zentimeter genau sein.
Weitere Löcher: Abwasser vom Waschbecken (etwas größer als der Schlauch, von unten mit Sikaflex 554 abdichten, Kante gegen Rost behandeln), Duschablauf (bei ebenerdiger Dusche etwa 10 Zentimeter Durchmesser), optional zwei große Löcher für eine Staukasten-Klimaanlage, die 40 bis 50 Zentimeter groß ist und beim E-Fahrzeug mit Strom aus der Fahrbatterie spannend wäre, das Bodenlüftungsgitter maximal 10 Zentimeter über dem Innenboden, der seitliche Wassereinfüllstutzen für den Gartenschlauch und der CEE-Einspeisestecker für Landstrom, alternativ der kleinere DEFA-Stecker. Beim Landstrom ist der Außenanschluss fast wichtiger als beim Wasser, weil man bei Regen keine Tür für ein Kabel offen lassen will.
Markise?
Beide noch nie verbaut. Auf dem Campingplatz mit Wiese vor dem Van ist der Sonnenschutz praktisch. Beim Freistehen auf öffentlichen Parkplätzen ist die ausgefahrene Markise mit Tisch, Stühlen und Kochfeld genau das Verhalten, wegen dem solche Spots irgendwann für Camper gesperrt werden.
Ihr braucht eine Unterkonstruktion, die zu Fenstern und Dachluken passt und Wand- und Deckenverkleidung sauber trägt? Schaut euch die Unterkonstruktions-Sets für alle gängigen Kastenwagen an.
Der Van-Ausbau Podcast mit Julian Weippert (JULI Vansystem) und Dennis Koburger erscheint auf Spotify, YouTube und überall, wo es Podcasts gibt. Fragen, Feedback und eure Ausbau-Fails schickt ihr uns auf Instagram an @vanausbaupodcast. Eine Bewertung auf Spotify hilft uns sehr.
Vorherige Folge: Achte auf diese Dinge beim Layout deines DIY Campervans
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