Von Microcamper bis Expeditionsmobil: Welches Basisfahrzeug für den Campervan-Ausbau?

Weißer Kastenwagen als Basisfahrzeug für den Campervan-Ausbau

Welches Auto kaufe ich mir? Diese Frage kann einen ein Jahr lang beschäftigen. In der ersten richtigen Folge des Van-Ausbau Podcasts gehen Dennis und ich alle Fahrzeugkategorien durch, von klein nach groß, und erklären, worin sich Fiat Ducato, Mercedes Sprinter, VW Crafter, Ford Transit und Co. wirklich unterscheiden. Dennis hat inzwischen sechs Kastenwagen gekauft, ich baue seit Jahren Unterkonstruktionen für alle gängigen Modelle. Hier die Zusammenfassung.

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Ausbau-Fail der Woche

Neu in jeder Folge: der Ausbau-Fail der Woche. Diesmal von uns selbst. Dennis hat sich beim Zuschneiden der Dämmung mit dem Keramikmesser in den Zeigefinger geschnitten. Und ich habe bei seinem Van die Schiebetür gegen das offene Ausstellfenster geknallt, obwohl ich ihn am selben Tag noch davor gewarnt hatte. Das eigentliche Learning: Ein Ausstellfenster direkt hinter der Schiebetür ist eine ungünstige Position. Wer dort ein Fenster will, nimmt besser ein Schiebefenster. Schickt uns eure Fails auf Instagram an @vanausbaupodcast.

Microcamper: der normale Pkw

Die kleinste Kategorie ist ein ganz normaler Pkw, ausgebaut zum Camper, mit Dachzelt oder mit Schlafplatz im Fahrzeug. Für alle, die kein zweites Fahrzeug wollen und trotzdem ab und zu einen Campingtrip machen möchten, ist das der beste Kompromiss. Dennis war mit einem Tesla Model Y drei bis vier Monate auf den Kanaren unterwegs, mit Holzausbau, Ausziehküche und ausfahrbarem Lattenrost auf zwei Meter Länge. Und das bei 1,89 Meter Körpergröße. Es geht also. Nur der Komfort ist ein anderes Level: Bei Regen kann man sich draußen nicht aufhalten, und drinnen ist wenig Platz.

Bus-Klasse: VW Bus und Verwandte

Eine Nummer größer sind die Kleinbusse. Zur Suche auf den Gebrauchtwagenportalen hier die Liste der vergleichbaren Modelle:

  • VW Bus (T5/T6/T7) und Mercedes Vito als hochwertigste Vertreter
  • Ford Transit Custom (nicht zu verwechseln mit dem großen Transit)
  • Renault Trafic, baugleich mit Nissan Primastar und Opel Vivaro
  • Peugeot Expert, baugleich mit Citroën Jumpy und Toyota Proace

Vorteile: alltagstauglich, passt ins Parkhaus, bleibt unter der magischen Sechs-Meter-Grenze, oft günstiger bei Maut und Fähren, genug Platz für Sport-Equipment. Nachteil: keine Stehhöhe, es sei denn mit Aufstelldach. Das Leben spielt sich eher draußen ab, bei Regen wird es eng. Für Schönwetterreisen und Outdoor-Hobbys eine gute Wahl. Wir beide bevorzugen trotzdem den großen Kastenwagen, weil aufrecht stehen zu können einfach ein anderes Level ist.

Exoten: Pickup, Geländewagen, Expeditionsmobil

Pickups mit Wohnkabine bieten von innen überraschend viel Platz, oft mit Bad und Küche, sind aber sehr spezifisch. In Südamerika oder Afrika, wo Lehmpisten bei Regen aufweichen, spielt ein Toyota Hilux mit Allrad seine Stärken aus. Geländewagen wie G-Klasse oder Defender gehen eher in Richtung Microcamper. Expeditionsmobile auf Lkw-Basis mit riesigem Koffer bewegen sich preislich im sechs- bis siebenstelligen Bereich und sind für 99 Prozent der Fälle in Europa Overkill. Auf dem Campingplatz in Mitteleuropa wirken sie schon etwas deplatziert.

Fertige Wohnmobile und Kofferaufbauten

Auch ein gebrauchtes Wohnmobil zum Renovieren ist eine Option. Zur Einordnung der Begriffe: Alkoven haben das Bett über dem Fahrerhaus, praktisch für Familien. Teilintegrierte nutzen Fahrerhaus und Fahrgestell eines Kastenwagens mit geradem Sandwich-Aufbau dahinter. Vollintegrierte sind von vorne bis hinten Wohnmobil. Beide gibt es nur fertig ausgebaut, Umbauen ist schwierig. Interessant für Selbstausbauer sind dagegen ehemalige Rettungswagen, Postkoffer und Kühlfahrzeuge: gerade Wände, viel Platz, beim Kühlkoffer sogar schon gedämmt. Vorsicht bei Postfahrzeugen: viel Stop-and-go, kalte Starts, das ist Gift für einen Diesel. Bei älteren Fahrzeugen immer 2.000 bis 3.000 Euro Reparaturpuffer einplanen.

Grundsätzlich gilt: Fahrzeugpreis und Ausbauaufwand sollten sich die Waage halten. Wer für 5.000 Euro einen Kastenwagen mit 400.000 Kilometern kauft und dann 20.000 Euro und zwei Jahre in den Ausbau steckt, steht bei einem Motorschaden mit einem fest verklebten Ausbau in einem kaputten Auto.

Kastenwagen: die wichtigste Kategorie

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Die gängigen Kastenwagen-Modelle: Ducato, Sprinter, Crafter, Transit, Master, Daily

Der Kastenwagen ist das Fahrzeug, das am häufigsten zum Wohnmobil umgebaut wird, und unsere Favoriten-Kategorie. Die Spanne reicht vom 5 Meter langen Ducato L1 (Dennis hat einen L1H2 mit Stehhöhe ausgebaut, parkt wie ein großer Pkw) bis zum 7,4 Meter langen Sprinter. Hier die Übersicht der Modelle und ihrer Zwillinge:

  • Stellantis-Baureihe: Fiat Ducato, Peugeot Boxer, Citroën Jumper, Opel Movano (neu), Toyota Proace Max, in den USA Ram ProMaster. Alle von der Karosserie her baugleich, der Laderaum ist seit 2006 unverändert.
  • Mercedes Sprinter: aktuell ohne Zwilling. Bis 2018 war der VW Crafter baugleich.
  • VW Crafter und MAN TGE: baugleich, Dach fällt nach hinten ab, Seitenwände laufen konisch zu.
  • Ford Transit: eigene Karosserie ohne Zwilling, fährt sich recht Pkw-ähnlich.
  • Iveco Daily: eigene Karosserie auf Leiterrahmen, eher in Lkw-Richtung.
  • Renault Master und der baugleiche Nissan Interstar
  • Maxus Deliver 9, meist als E-Deliver 9 verkauft

Warum der Ducato so beliebt ist

Die Stellantis-Baureihe ist die Einsteigerklasse: relativ günstig, solide, und weil der Laderaum seit 2006 gleich geblieben ist, gibt es einen riesigen Zubehörmarkt mit Adapterrahmen, Plissees und Zuziehhilfen. Der Ducato ist der breiteste Kastenwagen und sehr kastenförmig, was den Ausbau enorm erleichtert. Sprinter, Crafter und TGE laufen nach oben deutlich konischer zu. Grundregel für alle Modelle: Je höher das Dach, desto schmaler wird es oben. Ein Stellantis H1 ist fast rechteckig, H3 schon deutlich enger. Dafür fühlen sich Sprinter, Crafter, TGE, Iveco und Ford vom Fahrgefühl her mehr nach Pkw an. Am Ende gilt: Probefahren und selbst entscheiden. Mit einem Wohnmobil gewinnt man kein Rennen.

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Mein Peugeot Boxer L3H2: baugleich mit dem Ducato und bis heute mein Fahrzeug

Motorisierung, Diesel oder Elektro

Die meisten Kastenwagen starten bei etwa 120 PS, und das reicht für Europa völlig aus. Ein spürbarer Unterschied zu 140 PS beim Überholen, ja, aber nicht kaufentscheidend. Wichtiger bei Gebrauchten: recherchieren, ob die konkrete Motorisierung mit Baujahr und Hubraum bekannte Probleme hat, und auf die Service-Historie achten.

Dennis hat mit E-Sprinter und E-Master viel Erfahrung. Das Wichtigste: Auf die Batteriekapazität achten. Der erste E-Sprinter hatte rund 45 kWh und schaffte realistisch keine 200 Kilometer. Der neue E-Sprinter mit 113 kWh kommt bei etwa 28 kWh pro 100 Kilometer auf rund 400 Kilometer, der E-Master mit 87 kWh auf gut 300. Reisegeschwindigkeit ist 90 km/h, weil die große Stirnfläche beim Elektroauto viel stärker durchschlägt als beim Diesel. 800 bis 900 Kilometer am Tag sind mit Ladepausen von rund 40 Minuten trotzdem machbar. Für Handwerker mit kurzen Strecken und Laden in der Werkstatt ist das schon heute ideal, für den Camper eine Frage der Reiseart. Dennis erwartet ab 2027/2028 interessante Gebrauchtangebote, weil die Nachfrage noch verhalten ist.

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Dennis mit seinem Renault Master E-Tech, seinem aktuellen Elektro-Kastenwagen

L1 bis L5, H1 bis H3: keine genormten Maße

Das ist die wichtigste Warnung dieser Folge. Die Längen- und Höhenbezeichnungen sind bei jedem Hersteller anders. Ein Stellantis H2 hat etwa 1,93 Meter Innenhöhe, H3 rund 2,17 Meter. Beim älteren Ford Transit liegt schon das H3-Maß bei nur etwa zwei Metern. Ich habe einen MAN L3H2 ausgebaut, bei Stellantis wäre das entspannte Stehhöhe, beim MAN blieben ausgebaut etwa 1,67 Meter. Beim Allrad-Crafter und Allrad-TGE wird der Laderaum zusätzlich rund 10 Zentimeter niedriger, weil das Fahrwerk von unten in den Laderaum ragt. Beim Sprinter wird dagegen die ganze Hülle hochgesetzt.

Dazu kommt: Der Ausbau kostet noch einmal 5 Zentimeter oder mehr Höhe für Boden und Decke. Und die Online-Maße sind Ladeflächenmaße von Bodenblech bis Unterkante Deckenholm. Von Blech zu Blech ist der Ducato auf Bauchhöhe etwa 1,98 Meter breit, nicht 1,87 Meter, was fürs Querschlafen relevant ist. Also: Marke plus Größenbezeichnung googeln, Laderaumtabellen suchen und vor dem Kauf im Fahrzeug nachmessen.

Checkliste für den Gebrauchtkauf

  • Checkheft und Service-Historie prüfen, Ölwechsel regelmäßig gemacht?
  • Vorbesitzer recherchieren: DHL-Fahrzeug oder Handwerker mit Langstrecke?
  • Jemanden mitnehmen, der sich mit Fahrzeugtechnik auskennt
  • Fenster ab Werk? Spart Arbeit, sind aber Wärmebrücken und kondenswasseranfällig
  • Anzahl Sitzplätze: Ein Einzelsitz gegen eine Doppelsitzbank zu tauschen kostet schnell mehrere hundert bis über tausend Euro
  • Klimaanlage: bei vielen Handwerker-Kastenwagen nicht an Bord, Nachrüsten kostet 2.000 bis 3.000 Euro. Tempomat und Rückfahrkamera lassen sich dagegen günstig nachrüsten
  • Image beim Wiederverkauf: Sprinter und Crafter verkaufen sich leichter als Master oder Transit, auch wenn das technisch nicht gerechtfertigt ist

Ihr wollt sehen, welche Möbel und Unterkonstruktionen in euer Wunschfahrzeug passen? Im 3D-Konfigurator könnt ihr alle gängigen Kastenwagen-Größen durchspielen.


Der Van-Ausbau Podcast mit Julian Weippert (JULI Vansystem) und Dennis Koburger erscheint auf Spotify, YouTube und überall, wo es Podcasts gibt. Fragen, Feedback und eure Ausbau-Fails schickt ihr uns auf Instagram an @vanausbaupodcast. Eine Bewertung auf Spotify hilft uns sehr.

Vorherige Folge: Der Van-Ausbau Podcast, Folge 0: Wer wir sind und was euch erwartet

Nächste Folge: So klappt's mit der Wohnmobil-Zulassung nach dem Selbstausbau beim TÜV

Alle Folgen findet ihr auf der Podcast-Seite.

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